Buchpreisbindung, buchpreisbindungsgesetz

Buchpreisbindung

Buchpreisbindung - eine Definition

Die Buchpreisbindung ist die (gesetzliche) Vorgabe, einen vorher festgelegten Preis (in diesem Falle für neue Bücher) beim Verkauf einzuhalten. Verpflichtet hierzu sind alle Importeure bzw Verlage, die Produkte einführen bzw verkaufen, die unter das Buchpreisbindungsgesetz fallen..

Im Klartext: Für druckfrische, neue Bücher gibt es im Gegensatz zu gebrauchten Büchern kein normales, Preisfindungsverfahren von Angebot und Nachfrage. Sondern die unverbindliche Preisempfehlung (abgekürzt UVP) ist sozusagen "Gesetz".

Geregelt wird dieser Umstand in der Bundesrepublik Deutschland im Buchpreisbindungsgesetz aus dem Jahre 1888 (!). Natürlich wurde das Gesetz immer wieder den aktuellem Geschehen angepasst, aber die Grundidee stammt von Ende des 19ten Jahrhunderts. Es gilt für alle Bücher, die in Deutschland verlegt werden, aber auch für fremdsprachige Bücher, und sogenannte Kartographische Produkte (Landkarten).

Nach einer gewissen Verkaufszeit seit Bucherscheinung, meistens ca 18 bis 24 Monate, kann der Verlag die Buchpreisbindung aufheben. Diese Bücher bzw. Landkarten werden dann als Remittenden bzw Mängelexemplare ausgewiesen und können weit unter dem ehemaligen UVP Preis (unverbindliche Preisempfehlung) verkauft werden.

Aktuell gibt es Buchpreisbindungsgesetze in folgenden europäischen Ländern: Deutschland, Spanien, Frankreich, Portugal, Griechenland, Niederlanden, Italien, den Niederlanden und in Österreich.

In den anderen Ländern gibt es (freiwillige) Branchenvereinbarungen oder überhaupt keine Regelung.

Ausnahmen bzw. nicht (mehr) der Buchpreisbindung unterliegen folgende Produkte (Lage in Deutschland):

 

  •  gekennzeichnete Mängelexemplare
  •  gebrauchte, (d.h.schon einmal zum gebundenen Preis verkaufte) Bücher
  •  Altauflagen, die länger als 18 Monate am Markt sind, und für die der Verlag die Preisbindung aufgehoben hat.
  •  Remittenden (d.h. Bücher die der Einzelhandel nicht verkaufen konnte, und an die Verlage zurückschickt ((Überschussware)).
    unterliegen nur dann  nicht der Buchpreisbindung, wenn die Bücher tatsächlich beschädigte oder verschmutzte, gekennzeichnete Mängelexemplare sind.
  • Buchgemeinschaften (z.b. Bertelsmann Club, Time Life, Weltbild), die Bücher nur an ihre Mitglieder verkaufen, sind von der Buchpreisbindung nur eingeschränkt betroffen. Sie fungieren als Lizenznehmer und verlegen damit Sonderausgaben (sogenannte Buchgemeinschaftsausgaben), die einen deutlichen Ausstattungsunterschied aufweisen müssen (de facto meist ein anders gestalteter Umschlag oder ein anderes Format) und meistens mit ca. 6 monatiger Verzögerung zum Originaltitel erscheinen. Dadurch können die Buchgemeinschaften ihre Titel (die sie ja selber als Verlag mit einem Preis versehen) günstiger anbieten. Trotzdem sind diese Buchgemeinschaftsausgaben auch wieder preisgebunden laut Buchpreisbinungsgesetz.

 

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Weitere Fragen und Antworten:

  • Die Buchpreisbindung abschaffen: Das wird wahrscheinlich nicht allzuschnell passieren. Das Buchpreisbindungsgesetz und die Buchpreisbindung allgemein wurde ja "erschaffen", um den Buchhandel als ganzes vor einem ruinösen Preiskampf und vor Billigimporten aus dem Ausland zu schützen. Solange die Buchhändler eine politische Lobby haben, solange wird das Buchpreisbindungsgesetz zumindest in Deutschland bestehen bleiben.
     
  • Buchpreisbindung bei ebooks: Seit dem 01.09.2016 gelten auch für ebooks die Regeln der Buchpreisbindung lt. Buchpreisbindungsgesetz. Nachlesen kann man das Ganze im § 2 Abs. 1 Nr. 3 des Buchpreisbindungsgesetzes.
     
  • Ausnahmen, das heisst nicht betroffen von der Buchpreisbindung sind:
  1. ebooks in Fremdsprachen
  2. für wissenschaftliche Zwecke und in entsprechenden Datenbanken gelistete ebooks
  3. Ausschnitte oder einzelne Kapitel von ebooks
  4. Texte, denen die Anmutung eines Buches fehlt (also ohne Cover, Titelei, Inhaltsverzeichnis etc.)
  5. E-Books mit Multimedia-Applikationen (reine Software, Produkte mit Video-Sequenzen, stark multimediale (enhanced) E-Books)
  • Buchpreisbindung beim Privatverkauf: Hier gilt das Buchpreisbindungsgesetz nicht, da der Privatmann das Buch ja bereits einmal gekauft hat, und es somit "gebraucht" ist.
     
  • Buchpreisbindung Pro und Contra:
    • Pro - Es schützt die Buchhändler vor Billigimporten, und sichert ihnen ein Auskommen. Und damit Arbeitsplätze und Existenzen.
    • Contra - Die Regeln des freien Marktes werden ausgeschaltet. Nicht Angebot und Nachfrage regeln den Preis sondern der Verkäufer bestimmt ihn ohne die üblichen marktwirtschaftlichen Regeln. Daher teilweise überhöhte Preise bzw das "Abspeisen" vor allem von Neuen Schriftstellern mit Niedrigpreisen.
       
  • Rabatte von der Buchpreisbindung:  Es gibt - im engen, gesetzlich geregelten Rahmen - die Möglichkeit Rabatte beim Buchverkauf zu gewähren. Diese gelten für:
    • allgemeine Konfessionelle Bücher
    • allgemein zugängliche wissenschaftliche Bibliotheken privater Unternehmen
    • öffentliche Büchereien
    • Schülerbücherein
    • Truppenbücherei (Polizei und Bundeswehr)
    • wissenschaftliche Bibliotheken
    • Eigenbedarf, der sogenannte "Kollegenrabatt"
    • Mengenrabatt
    • Parkgebühren (!)
    • Räumungsverkauf / Geschäftsaufgabe
    • Sammelbestellungen von Schulen inkl. der Lehrerexemplare
    • Subskriptionspreise
    • sog. Büchertische in Kindergärten und Kirchgemeinden
       
  • Die Buchpreisbindung und das Freihandelsabkomen TTIP: Hier gibts noch keine endgültige Entscheidung der Politik. Die Verhandlungen laufen.
     
  • Die Buchpreisbindung umgehen: Nicht ratsam! - Verstösse gegen das Buchpreisbindungsgesetz sind kein Kavaliersdelikt. Buchhändler, die Bücher unterhalb geltenden Buchpreisbindung anbieten und verkaufen, sehen sich mit Unterlassungsklagen und Schadensersatzansprüchen konfrontiert. Und die können gewaltig ins Geld gehen. Als "Höchststrafe" können sogar Liefersperren und Verkaufsverbote verhängt werden, was de facto einer Geschäftsschliessung gleichkommt.

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